Nachruf auf Dr. Kuettner

Der erste Meteorologe der Wetterwarte Zugspitze nach dem 2. Weltkrieg ist am 24. Februar 2011 verstorben.

Hotel Schneefernerhaus

Dr. Joachim P. Küttner, * 21. September 1909, † 24. Februar 2011

Dr. Joachim Küttner bei seinem letzten Besuch am Schneefernerhaus.
Dr. Joachim Küttner bei seinem letzten Besuch am Schneefernerhaus.

Dr. Joachim P. Kuettner, der erste Meteorologe der Wetterwarte Zugspitze nach dem 2. Weltkrieg ist am 24. Februar 2011 im Alter von 101 Jahren in Boulder/Co verstorben.

Der Meteorologe und Flugpionier Joachim Kuettner war vom 12. Juni 1945 bis 01. August 1948 als erster Meteorologe nach dem 2. Weltkrieg wissenschaftlich an der Wetterwarte Zugspitze tätig. Er reaktivierte die teilweise zerstörte Wetterwarte, machte meteorologische und luftelektrische Untersuchungen und erforschte Flugverhalten und Flügelstellungen der Hochgebirgsvögel, die ihm Rückschlüsse auf Flugzeugkonstruktionen ermöglichten. Dr. Kuettner wirkte ab 1949 im Flugzeugbau, als Forschungsdirektor am Mt. Washington Observatorium, und als Direktor des Marshal Space Flight Centers bei der Entwicklung der Raumfahrt und in der Atmospärenforschung in den USA.

Dort war er bis ins hohe Alter am Institut for Atmospheric Research in Boulder/Co tätig, Chairman der University Corporation for Atmospheric Research und leitete die großen internationalen Projekte der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) wie das BOMEX (Barbados Oceanographic Meteorological Experiment), GATE Atlantic Tropical Experiment, MONEX Monsoon Experiment, ALPEX (Alpin Experiment), die im Rahmen des Global Atmospheric Research Programms stattfanden.

Sein letzter Besuch der Wetterwarte Garmisch-Partenkirchen/Zugspitze und der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus fand an einem sonnigen Tag im Mai 2004 statt. Joachim Kuettner hinterlässt seine Ehefrau Monika, die er 1948 auf der Zugspitze kennen gelernt hat. In seinem Zugspitztagebuch für den 100 Jahres-Jubiläumsband der Wetterwarte beschreibt er diese Begegnung: „Der schönste Besuch war der einer jungen, zarten und hochbegabten Schauspielerin namens Monika Seiler, die aus München kommend im neuen Garmischer Theater Triumphe feierte. Mit ihr verließ ich die Zugspitze und seit 50 Jahren ist sie meine Frau“.

Dr. Joachim Küttner feiert am 21. September 2009 seinen 100. Geburtstag. Sein Deutscher Segelflug-Höhenrekord mit 13.015 Metern, welchen er im Jahre 1955 mit einer Schweizer SGS 2-25 erflog, ist bis heute ungebrochen!

Die Wetterwarte Zugspitze und die Umweltforschungsstation Schneefernerhaus haben einen guten Freund verloren.

Manfred Kristen, Wetterwarte Garmisch-Partenkirchen/Zugspitze

Das Schneefernerhaus in der Nachkriegs-Zeit

(Zugspitz-Erinnerungen von Joachim Kuettner)

"Eines Tages, im Winter 1945/46, kamen schöne Geigenklänge aus der amerikanischen Radiostation im Münchner Haus. Sie klangen besser als die „Jitterbug“-Töne, die gelegentlich vom Eibsee Hotel zu uns heraufdrangen. Wie sich herausstellte, kamen sie von einem jungen Radio-Operateur namens Silverstine, der sich eine Geige in Mittenwald gekauft hatte. Da ich öfters den Flügel im Schneefernerhaus benutzte, bot ich ihm an, mit ihm dort zu musizieren. Er wählte als erstes das Mendelssohn Violinkonzert, das mir besonders am Herzen lag, seit meine Mutter, eine erfahrene Geigerin, es in meiner Kindheit gespielt hatte. Darauf wurden wir vom Captain des Schneefernerhauses eingeladen, regelmäßig für die Gäste zu musizieren. Es war eine unbeschreibliche Freude nach dem langen Krieg, in dem meine Familie drei Bechsteinflügel durch Bomben verlor, mit einem so hervorragenden Geiger musizieren zu dürfen. Mein junger amerikanischer Freund zeigte auch großes Interesse an Naturwissenschaften, und er war es auch, der mir das Feldmessgerät zusammenbastelte um die Gewitterelektrizität zu studieren. Eines Tages erschien er im Observatorium und sagte: “ Ich habe eine Frage: Ich muss bald nach Amerika zurückkehren und meine Uniform ausziehen. Soll ich ein Radiogeschäft aufmachen (and make some money)? Oder soll ich Geiger werden?” Als eingefleischter Europäer anwortete ich:”Wie können Sie so etwas fragen? Sie schulden es Ihrem Talent, Musiker zu werden.” Viele Jahre später, in Philadelphia, hörte ich ein Symphoniekonzert des Philadelphia-Orchesters unter Eugen Ormandy. Unter den ersten Geigern glaubte ich meinen Freund zu erkennen. In der Pause ging ich ins Künstlerzimmer. Er war es in der Tat und es gab ein freudiges Wiedersehen. “You gave me a good advice” sagte er. Später wurde er ein bekannter amerikanischer Geiger und hatte bessere Klavierbegleiter als auf der Zugspitze."

 

Dr. Küttner (links) und der Geiger Silverstine (mitte) am Wetterturm der Zugspitze. Rechts der Wetterwart Ernst Model.
Dr. Küttner (links) und der Geiger Silverstine (mitte) am Wetterturm der Zugspitze. Rechts der Wetterwart Ernst Model.
aus dem UFS Gästebuch

"Was für ein schönes Institut, was für eine interessante Führung. Und was für ein Fortschritt, seit ich oben auf der Zugspitze war (1945-48). Hier in der Gletscher-Stube möchte ich gerne mal ein paar Wochen arbeiten. Dank und gute Wünsche!"

Joachim Kuettner
NCAR, Boulder, Colorado, USA