Die Geschichte des Schneefernerhauses

Von Deutschlands höchst gelegenem Hotel zur Umweltforschungsstation

Hotel Schneefernerhaus

Ein kleiner historischer Abriss

Wer von der Zugspitze und ihrem Schneefernerhaus erzählen soll, der hat zu berichten von einer der großartigsten Aussichten in den ganzen Nördlichen Kalkalpen, von der unstillbaren Abenteuerlust unserer Väter, von deren wissenschaftlicher Neugier, von technischen Meisterleistungen, von den Unbedachtsamkeiten der Anfänge des Massentourismus und, ja, auch das, von den Gefahren, die das Hochgebirge fortwährend für uns bereithält.

Beginnen wir vor beinahe 200 Jahren

Münchner Haus mit dem Turm der Wetterwarte.
Münchner Haus mit dem Turm der Wetterwarte.

Nach mühsamen Erkundungsgängen zum Schneeferner gelang es dem königlichen Leutnant Joseph Naus, einem gelernten Vermessungstechniker, am 27. August 1820, gemeinsam mit seinem "Messgehilfen Meier" und dem Bergführer Johann Georg Tauschl "...endlich nach einigen Lebensgefahren und außerordentlichen Mühen" den Gipfel des Zugspitz zu erreichen, der bis in das 19. Jahrhundert hinein als unbezwingbar galt. Er war auf Befehl des Königlich Baierischen Topographischen Bureaus unterwegs. Sein Auftrag war, die Werdenfelskarte für den Topographischen Atlas Bayern zu erstellen. Er konnte nicht ahnen, wie sehr er Geschichte geschrieben hat. Heute können wir sagen: Dies war der Beginn für den "Wissenschaftsstandort Zugspitze".

Am 19. Juli 1900 übergab der ehrgeizige Referent für das Wettersteingebiet, Kommerzienrat Adolf Wenz, ein Meteorologisches Observatorium, das lang umstrittene "Münchner Haus", an die Königliche Staatsregierung. "Wer ohne Wirtshaus nicht hinauf kann, soll unten bleiben", hatte es geheißen. Die Wetterbeobachtung "in der freien Atmosphäre" ist seitdem Standard auf Deutschlands höchstem Berg, wenn auch erst über 100 Jahre später als im ältesten Observatorium der Welt auf dem bayerischen Hohenpeißenberg. Dessen meteorologischer Observator, Pfarrer Christoph Ott, sorgte 1851 für das erste goldene Gipfelkreuz auf der seit 1836 "weiblichen" Zugspitze.

Die Erschliessung der Zugspitze

Das Schneefernerhaus in den dreißiger Jahren.
Das Schneefernerhaus in den dreißiger Jahren.

Aber noch etwas kam neu hinzu: Die Zugspitze wuchs zum Ziel und Zentrum des Wintersports heran, vom Anbeginn bis heute begleitet von einer wechselhaften Diskussion um die Grenzen einer touristischen Erschließung und im konkurrierenden Wechselspiel mit der österreichischen Seite. Dort wurde schon 1926 mit der ersten Seilschwebebahn der Zugspitzkamm erschlossen. Und damit nicht genug: Es wurde begonnen, einen Tunnel in Richtung des bayerischen Zugspitzplatts zu graben, weil nicht jeder Besucher den Gipfelanstieg von der Bergstation aus zu bewältigen in der Lage war. Dieser Tunnel endete aber auf Einspruch der bayerischen Seite vorerst am Zugspitzeck. Erst 1937 gab es einen unterirdischen Grenzübergang zwischen dem österreichischen Kammhotel und dem Hotel Schneefernerhaus, eine Besichtigungsattraktion noch heute.

Das Hotel Schneefernerhaus wiederum war auf bayerischer Seite etwa 300 m unter dem Gipfel in touristisch bevorzugter Südhanglage errichtet worden und am 20. Januar 1931 gemeinsam mit einer Gipfelseilbahn in Betrieb gegangen. Es bildete den Abschluss einer am 8. Juli 1930 fertiggestellten Zahnradbahn von Garmisch bis zum Hotel, deren ingenieurtechnische Meisterleistung im Bau eines Tunnels innerhalb des Bergmassivs mit einer Länge von 4.453 m und einem Höhenunterschied von 1.010m bestand. Um die Bauzeit von nur eineinhalb Jahren trotz eines strengen Winters und einigen Unglücksfällen zu erreichen, wurde mit zeitweise 2.500 Arbeitern der Tunnelvortrieb an fünf Stellen gleichzeitig vorangetrieben. "Männer machen Meter", hieß die Devise. Die Gäste der fertigen Zahnradbahn kamen auf dem heute noch zugänglichen, im Berg gelegenen Bahnsteig direkt in Deutschlands höchstgelegenem Hotel an. Das Schneefernerhaus selbst war als Luxushotel konzipiert, bot in den Anfangsjahren für Gäste aus aller Welt ein einzigartiges Reiseziel mit durchaus extravaganten Attraktionen und war auch ein Anziehungspunkt während der Olympischen Winterspiele 1936 im erst ein Jahr zuvor vereinigten Garmisch-Partenkirchen.

Mit dem Zweiten Weltkrieg fand der mondäne Betrieb sein jähes Ende. Das Hotel geriet 1945 unter Beschuss, wurde nach Kriegsende zunächst von den Amerikanern beschlagnahmt, zu Beginn der 50er Jahre aber wieder freigegeben. Es folgte im gesamten Einzugsbereich der Zugspitze ein über Jahrzehnte andauernder Ausbau der Bergbahn- und Skilift-Infrastruktur, von dem auch das am 13. Dezember 1952 offiziell wiedereröffnete Hotel anfänglich profitierte. So erhielt das Schneefernerhaus 1950 Skikurzlifte und eine Kleinseilbahn (die "alte Hangbahn"), moderne Leichttriebwagen verkürzten ab 1954 die Fahrzeit zum Schneefernerhaus von 80 auf 40 Minuten, der Bau eines neuen Terrassencafes verbesserte 1956 den Komfort für die Skifahrer, die ab 1962 das Hotel auch über die neue Eibseeseilbahn erreichen konnten. Der Skisport war Breitensport geworden.

Einen erneuten Rückschlag erlebte das Hotel durch ein schweres Lawinenunglück auf seiner Sonnenterrasse am 15. Mai 1965, in dessen Folge zehn Tote und 24 Verletzte zu beklagen waren. Große Investitionen mussten getätigt werden, z. B. 1966 für den Bau umfangreicher Lawinenschutzeinrichtungen oder 1978 für den Bau der einspurigen Großkabinenbahn zwischen dem Schneefernerhaus und dem Zugspitzplatt (der "neuen Hangbahn"), für weitere Renovierungsmaßnahmen zum Ausbau der Empfangshalle, der Hotelzimmer und die neue Gletscherstube sowie für die Einrichtung eines Halbstunden-Fahrplans zwischen Eibsee und Schneefernerhaus durch den Einsatz neuer Leichttriebwagen.

Der Wintertourismus blieb unverändert attraktiv. 1988 erfolgte die Einweihung des neuen Zahnradbahntunnels zum Zugspitzplatt und des neuen Gletscherbahnhofs, 1992 folgten die Gletscherbahn und 1993 die neue Zugspitzgipfelstation sowie der Konferenzbereich im SonnAlpin. Im Gegenzug verlor das Hotel Schneefernerhaus aber mehr und mehr seinen Publikumserfolg mit der Folge, dass 1990 zunächst der Hotelbetrieb und 1992 auch der gesamte Gastronomiebetrieb eingestellt wurden.

Der Übergang vom Hotel zur Umweltforschungsstation

Mit der endgültigen Schließung des Hotels nach 62 Jahren bot sich dem Freistaat und der Bundesrepublik Deutschland die Chance zur Realisierung einer bereits aktuell diskutierten Idee: der Einrichtung eines „Zentrums der Umweltforschung und Klimabeobachtung, das in Europa und der Welt einmalig ist“, so der damalige bayerische Wirtschaftsminister. Hintergrund dafür war die weltweit in Gang gekommene Diskussion um die globale Erwärmung und ihre Folgen für Mensch und Natur. In Rio de Janeiro beriet 1992 erstmalig die Weltgemeinschaft über die Möglichkeiten, dem Klimawandel zu begegnen, und es entstand das bis heute maßgebliche Zukunftsmodell einer nachhaltigen Entwicklung.

Der Beginn der Umbauten datiert auf das Jahr 1993, insgesamt wurden umgerechnet rund acht Mio. Euro investiert. Die feierliche Eröffnung des Schneefernerhauses als Umweltforschungsstation fand am 12. Mai 1999 statt. Damit war eine Höhenforschungsstation mit vielen Alleinstellungsmerkmalen geboren, die das Potential besitzt, auf höchstem Niveau wissenschaftliche Beiträge für eine zukunftsfähige Klimaschutzstrategie zu liefern.

Bildnachweis:

Anischtskarte Münchner Haus: © Sonnweber;
Reiseprospekte: © Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin, Hist. Archiv