Der Schneeferner

Ein schwindender Gletscher

Vom Plattachferner zum Schneeferner

Der Schneeferner, der dem Schneefernerhaus seinen Namen gab, ist der größte der bayerischen Gletscher, und doch nur noch ein kleiner Rest des mächtigen Plattachferners auf dem Zugspitzplatt. Dieser bedeckte zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch das gesamte Platt zwischen Plattspitzen und dem Gipfelmassiv und reichte bis auf 2400m hinunter.

Anfang des 20. Jahrhunderts zerfiel der zurückgehende Gletscher in den südlichen und den nördlichen Schneeferner, wobei ersterer auf Grund seiner ungünstigen topographischen Lage (kaum Abschattung und geringer Eintrag von Lawinenschnee) nur mehr als Toteisfeld zu bezeichnen ist.

Auch der nördliche Schneeferner schrumpft weiter, verliert aber sein Volumen auf Grund seiner großen Mächtigkeit hauptsächlich in der Vertikalen. D.h. die vom Eis bedeckte Fläche schrumpft nur wenig, doch die Dicke des Eises nimmt weiter ab. Bei einer Aufnahme im Frühjahr 2011 wurde eine Eisdicke von noch maximal etwa 50m ermittelt.

Der Schneeferner um 1900
Der Schneeferner um 1900
Der Schneeferner in einer Luftaufnahme um 1950.
Der Schneeferner in einer Luftaufnahme um 1950.

 

Gletscherschmelze und Klimawandel

Für die Alpen erwartet der aktuell Sachstandsbericht des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) pro Grad Temperaturerhöhung eine Abnahme der jährlichen Schneebedeckung um mehrere Wochen. Dadurch wird sich die Gleichgewichtshöhe, unterhalb derer ein Gletscher abschmilzt und oberhalb derer er wächst (Ablations- und Akkumulationszone) um 60 bis 140 m/°C nach oben verschieben. Demzufolge werden den Alpengletschern abhängig von ihrer lokalen Topographie Volumenverluste von 30-70% vorausgesagt.

Der Schneeferner, der sonnenexponiert liegt und wenig Schneezufuhr durch Lawinen erhält, wird in den kommenden Jahrzehnten immer mehr in sich zusammensacken und durch Schutt vom Zugspitzeck und dem Schneefernerkopf zugeschüttet werden.

Bei der Bewertung des Schneeferners als Indikator für die gegenwärtige Klimaerwärmung sollte man aber zweierlei berücksichtigen: Zum einen ist das Verhalten des Schneeferners auf Grund der Liftanlagen, der Verdichtung der Schneedecke durch Pistenwalzen und die Maßnahmen der Liftbetreiber zum Erhalt bestimmter Areale teilweise vom Klima entkoppelt.

Zum anderen gibt es keine "natürliche" Größe eines Gletschers, d.h. der Vergleich des jetzigen Standes mit dem Gletscherhöchststand in einer besonders kalten Periode kann irreführend sein. Trotzdem ist natürlich der weltweite Rückgang der Gletscher ein deutliches Zeichen für die Erwärmung der Atmosphäre.


Quellen: IPCC, Bayerische Gletscher

Die Reste des Schneeferners im Jahre 2003.
Die Reste des Schneeferners im Jahre 2003.
Der Hang unterhalb des Schneefernerhauses hat seit dem Beginn des Skibetriebes in den 30ger Jahren (kleines Werbeplakat, (c) Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin, Hist. Archiv) deutlich an Steilheit zugenommen. Eine Folge des Gletscherrückgangs, der ein Abrutschen der Schuttmassen bewirkt hat.
Der Hang unterhalb des Schneefernerhauses hat seit dem Beginn des Skibetriebes in den 30ger Jahren (kleines Werbeplakat, (c) Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin, Hist. Archiv) deutlich an Steilheit zugenommen (Aufnahme aus dem Mai 2011). Eine Folge des Gletscherrückgangs, der ein Abrutschen der Schuttmassen bewirkt hat.